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Was ist Basel II?

Vor cirka 10 Jahren hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht die derzeit geltenden Eigenkapitalvereinbarungen für Banken veröffentlicht. Derzeit müssen risikobehaftete Kreditengagements von Banken mit einheitlich 8 % Eigenkapital unterlegt werden. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1975 von den Präsidenten der Zentralbanken der G-10-Staaten mit dem Ziel gegründet, Empfehlungen für die internationale Harmonisierung der bankenaufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderungen zu erarbeiten. Aufgrund der Analyse der Bankenpleiten vergangener Jahre hat der Ausschuss im Juni 1999 und im Januar 2001 Basel II vorgestellt. Mit der voraussichtlichen vollständigen Umsetzung von Basel II werden an die Banken bezüglich ihrer Eigenkapitalausstattung bzw. -unterlegung neue Anforderungen bei der Kreditvergabe gestellt.

Die Höhe des erforderlichen Eigenkapitals soll sich zukünftig stärker an den individuellen Risiken der von Banken vergebenen Kredite orientieren. Künftig kann es mit Basel II je nach Einstufung der Kreditnehmer zu einer Eigenkapitalunterlegung von bis zu 12 Prozent kommen. Grundlage ist ein Rating, welches festzustellen versucht, inwiefern der Kreditnehmer seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Kreditgeber termingerecht und vollständig erfüllen kann. Die Gesamtheit der Kreditnehmer einer Bank wird dann in sechs bis neun möglichst homogene Risikogruppen eingeteilt.

Beispiel zum besseren Verständnis:

Kredit EUR 5.000.000

Basel I (bisher)

EUR 5.000.000 x 8 % = EUR 400.000 Eigenkapitalunterlegung durch die Bank

Basel II

Risikogruppe AAA (sehr gutes Rating): 20 % von 8 % = 1,6 % EUR 5.000.000 x 1,6 % = EUR 80.000 Eigenkapitalunterlegung durch die Bank

oder schlechter als

Risikogruppe BB: 150 % von 8 % = 12 % EUR 5.000.000 x 12 % = EUR 600.000 Eigenkapitalunterlegung durch die Bank

Bild: Gegenüberstellung Basel I / Basel II

Je schlechter das Rating ausfällt, desto mehr Eigenkapital der Bank wird hierfür gebunden. Daher ist das Rating für die Konditionen bei der Kreditvergabe maßgeblich. Somit werden Unternehmen mit geringer Bonität mit einem Risikozuschlag auf die Zinsen zu rechnen haben. Schätzungen zufolge muss man im Durchschnitt mit einem Aufschlag von 0,5 bis 0,75 Prozentpunkte rechnen. Unternehmen mit einem schlechtem Rating werden bis zu 2 Prozentpunkte höhere Zinsen zahlen als risikolose Kreditnehmer.

Derzeitiger Fahrplan für Basel II:

Frühjahr 2003: Drittes Konsultationspapier
Sommer 2003:   Neue Konsultationsphase
Herbst 2003:   Publikation des neuen Basler Accords
2004:   Beschluss der EU Richtlinien mit gleichzeitiger Vorbereitung auf nationaler Ebene
2006:   Parallelgeltung Basel I und Basel II
2007:   vollständige Umsetzung Basel II

Welche Faktoren werden bei einem Ratingprozess berücksichtigt?

  • Bisherige Unternehmensentwicklung: Eigenkapital- und Eigenmittelquote als wesentlicher Indikator, Cash-Flow als Maß für die Fähigkeit offene Verbindlichkeiten rückzahlen zu können, Verschuldungsgrad, Gesamtkapitalrendite, Kapitalstruktur, Kapitalbindungsdauer, usw.
  • Mittelfristige Unternehmensplanung: Investitionsplanung, Umsatzplanung, Finanz- und Liquiditätsplanung, etc.
  • Qualitative Erfolgsfaktoren: Qualität des Managements, Produktpolitik, Geschäftspolitik, Preispolitik, Kontinuität des Managements, Führungsstruktur, Controlling, Risikomanagement, Nachfolgeregelungen, Unternehmensstrategie, usw.
  • Gesamtwirtschaftliche Parameter: Marktstruktur, Marktanteil, Wettbewerbsintensität, Branchenperspektiven, Konjunkturabhängigkeit, Wirtschaftswachstum, etc.
  • Liquiditäts- und Ertragslage
  • Risikokontrolle und Risikomanagement

Bild: Einflüsse auf das Rating bei Basel II

Welche Auswirkungen haben die neuen Eigenkapitalvereinbarungen?

  • Für kleine und mittlere Unternehmen ergeben sich aus der Abwälzung der erhöhten Kosten für die Eigenkapitalhinterlegung der Banken auf das kreditnehmende Unternehmen höhere Finanzierungskosten (Kosten der Eigenkapitalhinterlegung der Banken, Ratingkosten).
    Bild: Auswirkungen der Eigenkapitalvereinbarungen
  • Die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens wird ein wesentlicher Parameter bei der Bonitätsbeurteilung. Bei Klein- und Mittelbetrieben ist das Eigenkapital oftmals zu gering. Dabei stellt das Eigenkapital einen Risikopolster dar und sagt viel über die Risikobereitschaft der Manager bzw. verantwortlichen Eigentümer aus.
  • Im Ratingprozess wird künftig die Erfüllung der qualitativen Faktoren als Indikator für die weitere Unternehmensentwicklung stark berücksichtigt.
  • Für kleine Unternehmen werden gewisse Vereinfachungen und günstigere Anrechnungssätze auf Grund der höheren Risikostreuung vorgesehen.
  • Durch den Ratingsprozess werden Schwachstellen zum Vorschein gebracht, an deren Behebung in erster Linie die Unternehmen selbst interessiert sein sollten. Dies sollte als Chance für das Unternehmen gesehen werden um sich zu verbessern.
  • Unternehmen mit guter Bonität können von Basel II auch profitieren. Durch Offenlegung der Bankratings entsteht mehr Markttransparenz, Vergleiche von Kreditkonditionen können einfacher durchgeführt werden.

Fazit und Ausblick

Diese neue Eigenkapitalregelung wird voraussichtlich 2006 aber spätestens 2007 in Kraft treten. Jetzt werden bereits die neuen Ansätze und Verfahren von Banken ausgetestet und umgesetzt. Durch Basel II haben Unternehmen sicherlich eine Reihe von Möglichkeiten, die sie aktiv nutzen sollten, um einige Risiken zu reduzieren und damit den eigenen Unternehmenswert zu optimieren.

Der Unternehmer kann die Bonitätsbeurteilung mittel- und langfristig beeinflussen,

  • indem er alle wesentlichen Informationen des Unternehmens rasch, klar und umfassend der Bank zur Verfügung stellt, um Chancen und Risiken möglichst klar erkennen zu können und
  • indem sich jeder Unternehmer schon frühzeitig auch um alternative Finanzierungsformen, insbesondere Eigenkapitalaufstockung, kümmern kann.

Besonderes Augenmerk ist auch auf die unternehmensinterne Implementierung von qualitativen Erfolgsfaktoren, wie Planung, Controlling, eines Berichtswesens, der Unternehmensnachfolge und eines Finanzmarketings, zu legen. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Banken sollte verbessert bzw. aufgebaut werden. Vom Management sollten Bankgespräche strategisch und professionell vorbereitet werden, um den Kreditgeber zu überzeugen. Neufinanzierungen von Unternehmen werden nicht mehr nur einmalig, sondern laufend einer systematischen Bonitätsprüfung unterzogen und damit werden die Zuschlagssätze angepasst und somit ändert sich der Zinssatz.

Bei der Vorbereitung auf zukünftige Ratingverfahren sind wir Ihnen gerne behilflich. Für weitere Auskünfte und individuelle Beratung wenden Sie sich bitte an Ihr ABC-Team.

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